Segeln im Lobster-Paradies

Bericht über eine Charterwoche im Segelgebiet von Newport, USA von Ralph Droege

11.10.07

12 mal, von 1930 bis 1983, als immer die Amerikaner gewannen und die bodenlose Kanne auf dem Tisch des New York Yacht Clubs festgeschraubt war, fand der America`s Cup vor Newport statt. Und immer waren die Entscheidungsregatten im September.
Deshalb habe ich meine Charterwoche in den September gelegt, um von Newport aus, dem Segelzentrum der Südostküste Neu-Englands, das Gebiet mit meiner Familie zu erkunden. Und das Wetter war so schön, wie wir es erhofft hatten. Die Nächte angenehm kühl, am Tag stetiger Wind, Sonne und Temperaturen, bei denen der Pullover im Schrank bleibt.

Eine Kaltfront zog durch, brachte einen Tag Regen und Starkwind, dann war der Himmel wieder blitzblau und der Wind hemdsärmelig warm und feriengerecht.
Täglich fliegt Emirates (rund 400,- Euro hin- und zurück) nachmittags von Hamburg nach New York JFK Airport. Um 18 Uhr kommt man an, nimmt den permanent rund um den Riesenflughafen fahrenden Airtrain zur Autovermietung Hertz, die auch eine Station in Newport haben und daher one-way-Buchungen erlauben. Gut 3 Stunden dauert die Fahrt, 180 Meilen.  Den Weg zu finden, ist nicht schwierig, wenn man eine gute Karte hat oder einen elektronischen Navigator, der in den meisten Hertz-Autos schon eingebaut ist ("Never Lost").
Am Freitag ist Übernahmetag für die 14 Charteryachten der Firma Bareboat Sailing in Newport (www.bareboatsailing.com).

Der Inhaber der Firma, Brian Blank, übergab uns die 1 Jahr alte Bénéteau 42 an ihrer Mooring, etwa 1 Kabellänge vom Fort Adams. Zur Yacht gehörte ein gut funktionierendes Schlauchboot mit Außenborder, das uns mit Gepäck und unseren Provianteinkäufen aus den Newporter Supermärkten herüberbrachte. Das Schiff machte einen tadellosen Eindruck, die Einweisung war sachlich und vernünftig.
Schon der erste Segeltag zeigte uns, wie gut das Boot ausgerüstet war. Segel (Rollgroß, Rollfock) und Tauwerk in bestem Zustand, überall sorgfältige und sinnvolle Beschriftungen, zuverlässig laufender Diesel, Raymarine-GPS-Farbkartenplotter mit Radar sowohl unten in der Navi, als auch im Cockpit in der Steuersäule, UKW-Sprechfunkgerät, Radio mit CD-Player, MP3-Kabel und Lautsprechern im Salon und im Cockpit. Niemand von uns hatte jemals ein besser ausgerüstetes Charterschiff gesehen. Nur ein ausreichend großer Topf zum Kochen mehrerer Hummer fehlte; den haben wir uns gekauft und dem Schiff geschenkt.

35 sm nach Osten sind es bis zum pittoresken kleinen Fischerhafen Menemsha an der Südwestspitze von Martha`s Vineyard. Hummer und andere Krebse gibt es überall in Neu-England, auch in den Supermärkten, aber hier im grünen Hafenladen von Mr. Jensen gibt es die besten.

Noch zwei weitere zauberhafte Häfen besuchten wir auf dieser berühmten Ferieninsel mit ihren hübschen alten Holzhäusern aus der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, Edgartown und Oak Bluffs. Auch die Steaks waren vom feinsten, wir brieten sie in unserem bordeigenen Grill, den man am Heckkorb festmacht.

Nichts ist einfacher beim Segeln in diesen Gewässern, als den Wetterbericht zu empfangen. Dieser wird rund um die Uhr auf einem festen UKW-Kanal (Taste Wx) gesendet und alle 5 Minuten wiederholt.
Von Martha`s Vineyard segelten wir zum Naturhafen Cuttyhunk an der SW-Spitze der Elizabeth Islands, dann über die Buzzard Bay nach Norden zum Padanaram Harbour und zurück, an Newport vorbei nach Point Judith am Eingang des Long Island Sound, wo die Stadtteile am Hafen die biblischen Namen Galilee und Jerusalem tragen. Überall erhielten wir jetzt in der Nachsaison problemlos Liege- oder Mooringplätze.

Auch am Rückgabe-Freitag konnten wir den halben Tag noch seglerisch nutzen, um nach Newport zu kommen, denn der Flieger nach Hamburg geht erst um 11 Uhr abends. Am Samstag Nachmittag ist man dann wieder zu Hause, mit heiteren Erinnerungen an eine traumhafte Charterwoche.